Wege aus der Einsamkeit oder das Licht des vereisten Meeres

Oda ist die Frau des deutschen Botschafters in Helsinki.

Auf den ersten Blick ein beneidenswertes Leben: viel Freizeit, viele Empfänge, wichtige Persönlichkeiten, Konzerte…

Aber Oda ist nicht glücklich in dieser Welt, in der sie keine eigene Aufgabe hat, sondern nur das hübsche, repräsentable Bild neben ihrem Mann Robert abgeben muss. In einer Welt in der Spontanität nicht vorkommen darf, fühlt sich die Journalistin a.D. unterfordert, gelangweilt und einsam.

Einmal im Monat fliegt sie zu ihrem Sohn Felix, der in einem Heim in Deutschland untergebracht ist. Felix ist durch einen Herzstillstand während der Geburt (für den Oda sich die Schuld gibt) schwerstbehindert und wird sein Leben lang wie ein Säugling versorgt werden müssen.

Eines Tages schmeißt ein Mann aus einem kleinen Boot einen frischen Fisch auf den Steg am Botschaftsgebäude. Oda passt ihn einmal ab und lädt ihn ein. Klaus kommt auch zum Botschaftsempfang, sieht deplaziert aus, erweist sich aber als jovialer Unterhalter, spricht sogar deutsch, das er sich in Gedenken an seinem ihm unbekannten Vater angeeignet hat.

Dann ist da noch der Bibliothekar der deutschen Bücherei in Finnland. Er ist der Chronist dieser Geschichte, ein mensch an einem Scheideweg, der sich sehr für Oda interessiert.

Als die Ostsee im Winter zufriert, kommt Oda auf die Idee, das Felix dieses Licht gesehen haben muss, bevor die drohende Erblindung einritt.

Sie fasst einen irren Plan, das Buch wird zu einer Art Roadmovie und Klaus ist immer helfend dabei.

Die Sprache ist Leicht, fließend und berührend. Das Tempo wechselt von melancholisch zu  mitreißend.

Die Charaktere sind allesamt sehr komplexe, interessante Menschen. Der Autor begrenzt sich aber bei jedem auf den für diesen Roman relevanten Teil. Vielleicht gibt es bald mal ein Buch, in dem die Geschichte des namenlosen Bibliothekar erzählt wird?

Einige Erzählstränge wurden auch ziemlich kurz abgehandelt, Längen kann man dem Buch nicht vorwerfen. An der einen oder anderen Stelle hätte ich mir eine längere Problembehandlung fast gewünscht.

Im Epilog werden die verschiedenen Geschichten kurz weitergeführt, dies bietet Erklärungen aber auch genug Platz für eigene Gedanken.

Einige logische Probleme hatte ich (z.B. warum haben sie keine Kaiserschnitt durchgefüht?), aber das hier ist ja kein Krimi, in dem man an der Auflösung mitarbeitet. Die Gefühlswelten der Akteure war sehr eindringlich und nachvollziehbar..

Dies Buch ist eine Art Entwicklungsroman, Oda wird wieder zum selbstständigen Menschen. Aber auch für die anderen Protagonisten ändert sich das Leben völlig. Einzige Konstante bleibt Felix, der weiter in seiner eigenen Welt lebt, in die niemand wirklich Einblick hat.

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